Alkoholismus gilt als folgenschwerste Suchtkrankheit. Neben den Süchtigen fordert er auch indirekte Opfer, andere Verkehrsteilnehmer und die Kinder Alkoholkranker.

Bei uns gilt Alkohol als gesellschaftlich anerkanntes Genussmittel. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum. Durchschnittlich nehmen alle Einwohner über 15 Jahren täglich 36,7 g reinen Alkohol zu sich. Ernährungsgesellschaften empfehlen Männern dagegen nicht mehr als 20 g (halber Liter Bier) und Frauen nicht mehr als 10 g (0,1-Glas Sekt) Alkohol pro Tag.
Was im Körper passiert
Alkohol (Ethanol) löst sich schnell im Blut und gelangt praktisch an jeden Ort des Körpers. Durch die Zellmembranen hat er auch Zugang zum Gehirn, wo sich Alkohol auf die Hirnfunktionen auswirkt. Es entsteht zunächst ein entspannender, angstlösender Effekt. Trinken Süchtige ständig Alkohol, bilden die Neurone mehr Rezeptoren aus, um trotz der dämpfenden Wirkung des Alkohols Reize normal weiterleiten zu können. Hört ein Abhängiger auf zu trinken, fällt die Dämpfung weg, die Neuronen werden überaktiv. Diese Übererregung des Gehirns erklärt die Entzugssymptome und die Gier nach Alkohol (Carving) bei abstinenten Abhängigen.
Der Abbau braucht seine Zeit
Der getrunkene Alkohol wird über das Blut zur Leber transportiert und dort abgebaut. Pro Kilogramm Körpergewicht wird pro Stunde 0,1 bis 0,2 g Alkohol abgebaut (je nach Geschlecht und Person). Beispiel eine Frau von 75 kg Körpergewicht braucht dreieinhalb Stunden, um einen halben Liter Bier abzubauen. Dazu kommt, dass der Abbau erst nach zwei Stunden einsetzt. Gewöhnung an große Alkoholmengen bedeutet nur, dass sich das Gehirn bereits angepasst hat und ist kein Grund zur Freude. Ein Alkoholiker, der zehnmal soviel trinken kann, hat auch die zehnfacher Giftdosis im Körper.
Wie Abhängigkeit entsteht
Erst macht Alkohol lustig, dann mutig. Jemand der besonders schüchtern ist oder Sorgen hat, möchte dieses befreiende Gefühl vielleicht gerne wieder haben. Besonders gefährlich ist auch ein Umfeld, in dem relativ leichtfertig mit Alkohol umgegangen wird. Am Ende muss schon Alkohol getrunken werden, um die depressive Phase zu verhindern, die sich an die Euphorie anschließt. Bis eine Alkoholabhängigkeit nach außen sichtbar ist, dauert es oft Jahre. Alkoholiker leiden unter seelischer und körperlicher Abhängigkeit. Dabei ist nicht entscheidend, was getrunken wird und wie viel.
Eine Abhängigkeit besteht wenn:
- ein starker Zwang besteht Alkohol zu konsumieren
- die Kontrollfähigkeit reduziert ist
- mit Alkoholkonsum Entzugssymptome vermieden werden
- körperliche Entzugssymptome auftreten: Ruhelosigkeit, Übelkeit, Zittern, Sehstörungen, Krämpfe, Halluzinationen, Stimmungsschwankungen
- der Körper immer größere Mengen Alkohol toleriert
- das Verhalten vom Alkohol bestimmt wird
- andere Interessen und Vergnügungen vernachlässigt werden
- trotz nachweislicher Schäden weitergetrunken wird.
Unbedingt Hilfe suchen
Der körperliche Entzug, also die Entgiftung, erfolgt stationär oder ambulant. Hierbei geht es um die Behandlung der Entzugssymptome unter medizinischer Aufsicht. Dann folgt die Entwöhnungsphase. Ziel diverser Gesprächs- und Verhaltenstherapien ist vor allem die Abstinenz. Die Kranken sollen lernen, dass der Alltag auch ohne Alkohol genussvoll gestaltet werden kann. Ohne Alkohol geht es dem Körper bald viel besser, er ist wieder leistungs- und arbeitsfähiger, dadurch steigt das Selbstvertrauen. Oft ist es nötig, das soziale Umfeld zu verändern. Manchmal kommen auch Medikamente, so genannte Anti-Carving-Substanzen zum Einsatz. Die Einnahme muss vom Arzt überwacht werden, da Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Blutdruckabfall möglich sind. Letztlich müssen Suchtkranke akzeptieren, dass sie immerAlkoholiker bleiben, auch wenn sie "trocken" sind. Selbsthilfegruppen leisten dabei eine große Hilfe.
Links im Internet
anonyme-alkoholiker.de Anonyme Alkoholiker
www.psychosoziale-gesundheit.net Informationsseite der Universität Ulm
Foto: DAK
Quelle: PTAheute, Cornelia Buttler
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